Good Morning Gießen
Drei kurze Stücke von Hannah Rumstedt, Denise Lim, Azahara Sanz Jara
Der Test
von Hannah Linda Theodora Rumstedt, MA Angewandte Theaterwissenschaften, JLU Gießen
Mit: Simon Bambach und Philipp Wagner
“Es wird nicht geschossen, nur getestet,” heißt es im Text. Aufbauend auf einer Stückentwicklung, die voraussichtlich im Spätsommer auf der Baustelle von Vision31 auf dem Kulturcampus Bockenheim produziert wird, präsentiert dieses Teil-Stück ein Experiment mit zirkulärer Dramaturgie. Die Performance dekonstruiert das Verhältnis von Aktion und Reaktion und erzeugt durch die Perspektive eines Ego-Shooters ein Gefühl der Sogwirkung. Doch eine Frage bleibt offen: Wer agiert hier eigentlich?
Hannah Rumstedt ist Autorin, Regisseurin und Performerin, die in ihren Arbeiten Film, Theater und bildende Kunst verwebt. Insbesondere interessiert sie sich für die Phantasie als Werkzeug des Widerstands und die produktiven Wiedersprüche zwischen Gemeinschaft und Individualität.
Manchmal diese Unmöglichkeit
von Denise Lim, MA Choreography and Performance, JLU Gießen
Mit: Simon Gilmer, Milan Eckart, Jiyoung Yoo, Freddi Schnellinger, Oksana Pawelko
Im Februar 2026 lud Simon Gilmer die befreundete Künstlerin Denise Lim als Kollaborationspartnerin für seine Ausstellung „Manchmal diese Möglichkeit“ ein. Diese fand im Zollamt in Offenbach statt, in einem Gebäude, dass in den nächsten Monaten abgerissen werden soll. Denise brachte einen Hintergrund in Tanz und Choreographie in das Projekt ein, während Simon an der Schnittstelle von Skulptur, Fotografie und szenischer Raum arbeitet. Er zeigte vier Fotoarbeiten. Eine in jedem der Gallerieräume. Die Bilder zeigten jeweils einen alternativen Zustand des Raumes, in dem sie hingen. Die Zusammenarbeit beschränkte sich aufs eins der Zimmer. Inspiriert von „Wind“ (1968), einer Videoarbeit von Joan Jonas, schlug Denise eine Choreografie mit fünf Tänzer*innen und einer Windmaschine vor, um ein Gefühl von Bewegung im Bild zu vermitteln.
Jedes Bild, dass sie einfingen, zeigte zu viel, einen Überfluss. Objekte, Menschen, Tanz schwappte aus dem Rahmen. Dies ist eine notwendige Konsequenz, aber eine oft übersehene. Wäre das erste Bild perfekt, was würde das nächste bedingen? Und das danach? Und die fünfhundertsiebenundneunzig folgenden? Daher suchten sie nach etwas, dass sie noch nicht erkannten. In „Manchmal diese Unmöglichkeit“ arbeiteten sie mit diesem Überfluss. Sie nahmen sich diese Bilder noch einmal vor, um eine Erinnerung neu zu rekonstruieren.
Denise Lim ist Tänzerin* und Choreographin* die im sowohl in Theater und Film als auch in ortsspezifischen Kontexten arbeitet. Ihre kollaborative Praxis untersucht die Begegnung des Körpers mit Objekten und Umgebungen – wie dieser formt und geformt wird, wie er Nähe, Freude und Blicke einlädt und ablehnt. Durch Improvisation und Score-basierte Methoden, erreicht Denise Lim eine gesteigerte Präsenz und experimentelle Formen der Zeugenschaft. Denise Lim schloss 2020 an der Danish National School of Performing Arts in Kopenhagen ein Studium in „Dance and Choreography“ ab. Aktuell macht sie ihren Master in „Choreography and Performance” an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Sie erhielt Stipendien von Impulstanz Danceweb 2019 und dem Atlas Programm 2025.
On Fantasy, Residue and (soft?) Lies
von Azahara Sanz Jara, MA Choreography and Performance, JLU Gießen
“On Fantasy, Residue and (soft?) Lies” ist der Titel der Arbeit in ihrer gegenwärtigen Form. In einer eigenen choreografischen Ausdrucksform, die klassische Tanzelemente und spanische Folklore mit bildbasiertem, experimentellem Material verbindet. Mit ihren Wurzeln im Tanz, und beeinflusst durch ihr Interesse in Mythologie – in dem was erspürt, aber nicht festgenagelt werden kann -, formen diese Elemente einen plurichoreografischen Raum, in dem Differenz sichtbar bleibt und Präsenz untersucht und nicht negiert wird.
Azahara Sanz Jara wurde in Spanien geboren und lebt in Salzburg. Sie studierte Tanz an der SEAD - Salzburg Experimental Academy of Dance und am Real Conservatorio Profesional de Danza Mariemma in Madrid. Sie arbeitet als Performance Artist, freiberufliche Tänzerin und Choreografin mit Gruppen und Institutionen im In- und Ausland.
3 - 5 Euro
Bezahlung in bar an der Abendkasse
Dauer: ca. 90 Min.
Sprache:
Der Test / Deutsch mit englischen Übertiteln
Manchmal diese Unmöglichkeit / Englisch
On Fantasy, Residue and (soft?) Lies / keine Sprache