Pressestimmen

FRANKFURTER RUNDSCHAU 13.05.2009
DIE BESTEN TRADITIONEN DER STADT
Ein neues Theater in Frankfurt

Suhrkamp geht, die Schmidtstraße bleibt und heißt ab jetzt Frankfurt LAB. Ein Zusammenschluss Frankfurter Künstler und Institutionen sowie Geld vom "Kulturfonds frankfurt rheinmain" machen es möglich. Von Peter Michalzik

Wie in einem Teil der gestrigen Auflage bereits gemeldet, wird die so genannte Schmidtstraße, Außenspielstätte des Schauspiels Frankfurt, doch nicht geschlossen werden. Ein Zusammenschluss mehrerer Frankfurter Künstler und Institutionen und Geld vom "Kulturfonds frankfurt rheinmain" machen es möglich. Suhrkamp geht, die Schmidtstraße bleibt und wird ab jetzt Frankfurt LAB heißen. Für vier Jahre ist die Grundfinanzierung gesichert, wie der Kulturfonds am Dienstag beschlossen hat.

Die Schmidtstraße ist tot, es lebe das Frankfurt LAB. Die Idee ist so gut, dass man sich sofort fragt, warum sie überhaupt jemand haben musste. Warum es nicht ohnehin so gemacht wurde. Unter der Intendanz von Elisabeth Schweeger war die Halle zur Außenspielstätte ausgebaut worden, das unkonventionelle und erfolgreiche Programm machten Armin Petras und Florian Fiedler. Der neue Frankfurter Intendant Oliver Reese hatte trotzdem angekündigt, dass er das Haus am westlichen Frankfurter Stadtrand schließen wird.

Fünf Frankfurter Institutionen haben nun gesagt, sehr schön, dann machen wir eben dieses Haus zu unserem Theater: So bekommen William Forsythe und seine Company endlich in Frankfurt den Freiraum, den sie schon seit Langem vergeblich suchen. Endlich haben sie einen Ort, um Neues auszuprobieren, das sie dort dann auch zeigen können. Außerdem hat Forsythe hier den Raum gefunden, um sein Projekt Lernprojekt "Motion Bank" weiterzuentwickeln.

Der nächste Partner ist der Mousonturm. Er bekommt endlich eine Bühne mit einer passenden Größe für Gastspiele, 20 mal 20 Meter sind es statt der zehn mal zehn Meter, mit denen er bisher auskommen muss. Außerdem will der Mousonturm hier eine neue Tanzcompagnie gründen!

Die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst bekommt endlich einen Raum, in dem sich die Darstellende Kunst auch darstellen kann - in der Hochschule selbst gibt es nur einen Konzertsaal. Und sie kann hier mit der Forsythe Compagnie und dem vierten Partner, dem Ensemble Modern, kooperieren.

Das Ensemble Modern wird hier Produktionen zeigen, die sie in Frankfurt bisher nicht zeigen können, weil auch sie keinen Raum haben, der nicht ein klassischer Konzertraum ist. Vor allem will das Ensemble Modern die Arbeit an Produktionen aufnehmen, die mit Heiner Goebbels entstanden sind. Mit Goebbels ist der fünfte Partner genannt, die Hessische Theaterakademie, die jetzt endlich einen Proben- und Aufführungsraum in Frankfurt bekommt und in das Frankfurter Kulturleben integriert wird.

Das Frankfurt LAB wird also eine Arbeitsstätte für einige der besten Kräfte der Frankfurter Kultur sein. Sie alle hatten hier unglaublicher Weise, spätestens seit dem Ende des TAT, nie einen richtigen Ort. Das Allerschönste am Frankfurt LAB ist denn auch, dass die besten Traditionen der Stadt und ihrer Kultur, das Emanzipatorische, Eigenwillige, Experimentelle, das nicht an der Vergangenheit orientierte sondern in die Zukunft offene, das etwas Spröde und Intellektuelle, sich hier Platz schaffen. Das ist umso notwendiger, als sich die Stadt seit Jahren mit Macht in die kulturkonservative Richtung bewegt. Dagegen scheint, außer in der Schmidtstraße, zur Zeit kein Kraut gewachsen.

Das Frankfurt LAB wird nicht wie ein herkömmliches Theater funktionieren. Die Aufführungen, die gezeigt werden, sollen aus dem Arbeitsprozess entstehen und dann kurzfristig ins Programm gehoben werden. Es gibt keine aufwändige Spielplanplanung sondern einen offenen Ort für schnell Entschlossene. Schauen wir doch mal ob's heute abend in der Schmidtstraße was gibt!

Die vollständig als Theater ausgebaute Halle stand bereits kurz davor, an den TÜV Hessen oder ähnliche Einrichtungen vermietet zu werden. Was jetzt noch fehlt, sind lediglich eine Licht- und Tonanlage. Das Schauspiel Frankfurt wird die bestehende Anlage vollständig abziehen.

Erstaunlich ist, dass das neue Theater ganz ohne Geld der Stadt Frankfurt auskommt, die sich bisher an dem Projekt überhaupt nicht beteiligt. Dabei ist das Frankfurt LAB für diese Stadt wie maßgeschneidert. Da ist es umso verdienstvoller, dass sich der Kulturfonds frankfurt rheinmain kurzentschlossen in die Bresche geworfen hat.

 

 

FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG RM 06.10.2009
„FRANKFURT LAB“ FÜR NEUE PROJEKTE ZWISCHEN THEATER, TANZ UND MUSIK

Interdisziplinäres Produktions- und Experimentierzentrum offiziell eröffnet

Die zeitgenössische und interdisziplinäre darstellende Kunst soll in Frankfurt eine neue Basis bekommen: Gestern wurde offiziell das "Frankfurt Lab" eröffnet, ein "Labor der Moderne für Frankfurt Rhein-Main", so der Titel des Zusammenschlusses. Die Forsythe Company, die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, die Hessische Theaterakademie, das Künstlerhaus Mousonturm und das Ensemble Modern werden für zunächst vier Jahre die ehemalige Spielstätte des Schauspiels Frankfurt auf dem Gelände der Kommunikationsfabrik an der Schmidtstraße nutzen können.

Entstehen soll ein Labor- und Experimentierraum, in dem ohne die Zwänge des herkömmlichen Theaterbetriebs neue Projekte entwickelt werden können - inklusive des möglichen Scheiterns solcher Versuche. Spontan und gelegentlich, kurzfristig angekündigt, soll es Vorstellungen geben, ein Theater soll das Labor aber nicht sein.

Innerhalb weniger Monate, seit dem Frühjahr, haben die Beteiligten die Halle mieten und ein Konzept entwickeln können: Unterstützt vom Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main, der Polytechnischen Gesellschaft und der BHF-Bank-Stiftung hat das Fünferbündnis, das von einem Verein unter dem Vorsitz des Rechtsanwalts Stefan Mumme getragen wird, gut 1,5 Millionen Euro für vier Jahre zur Verfügung. Die Summe reicht für die Miete der Halle, eine grundlegende technische Ausstattung und einen Techniker. Die jeweiligen Projekte allerdings müssten die Lab-Beteiligten selbst finanzieren, stellte Mumme gestern klar. Er hofft auf weitere Fördergelder; derzeit wird noch verhandelt, ob eine Stelle für Organisationsaufgaben geschaffen werden kann.

Einige Projekte wurden schon in Aussicht gestellt. Die BHF-Bank-Stiftung erwägt, die nächsten "Frankfurter Positionen" mit ihren Werkaufträgen im "Frankfurt Lab" zu veranstalten. Es soll auch ein Jugendtanzprojekt des Mousonturms mit dem Hessischen Rundfunk geben. Die Musikhochschule plant eine Oper der Klasse des Komponisten Beat Furrer. Mindestens eine der fünf Institutionen muss an den Vorhaben immer beteiligt sein.

Seit langem haben Künstler eine große Halle gesucht, in der sich Projekte außerhalb der traditionellen Guckkastenbühne verwirklichen lassen. Außerdem erhoffen sich Beteiligte wie William Forsythe, außer langfristig geplanten Produktionen auch spontane Vorhaben und "works in progress" mit wechselnden Beteiligten in die Tat umsetzen zu können. Oft scheitert dies daran, dass es an Raum und Zeit fehlt. Beides soll es im "Frankfurt Lab" nun geben. Dabei sollen Studenten der Musikhochschule, der Internationalen Ensemble Modern Akademie und der Hessischen Theaterakademie Gelegenheit zu praktischen Erfahrungen bekommen. Neben der schon frisch renovierten großen Halle gibt es eine weitere für kleinere Projekte und Proben.

Die hessische Kunstministerin Eva Kühne-Hörmann und der Frankfurter Kulturdezernent Felix Semmelroth (beide CDU) versprechen sich eine Vorreiterrolle Frankfurts im internationalen Wettbewerb. Kühne-Hörmanns Vorvorgängerin im Amt, Ruth Wagner (FDP), Kuratoriumsvorsitzende des Kulturfonds, sagte, das "Frankfurt Lab" zu fördern sei eine Entscheidung gegen Althergebrachtes und für das Experiment. Nach den vier Jahren solle ein Symposion die Bedingungen des Erfolges und des Scheiterns von Kunstprojekten untersuchen, so Wagner.

emm.

 


FRANKFURTER RUNDSCHAU 06.10.2009
IM LABOR
Leitartikel

[…] Das ist der Stoff, aus dem Neues entstehen dürfte. Mitten in der Krise könnten aus Frankfurt Signale kommen, über die man sagt: Mensch, Frankfurt. Dabei dachten die meisten von außerhalb bislang zumeist nur, dass man in der Stadt am Main gutes Geld verdienen könne, es sich in einem liberalen Klima leben lasse. Mit dem Wirken im Labor der Moderne kann man demnächst vielleicht sagen: Die Avantgarde, sie entdeckt von Frankfurt aus andere ästhetische Dimensionen. Muss nicht das Schlechteste sein, zumal in Zeiten wie diesen eine andere Erschließung der Moderne ein lohnendes Projekt sein kann. Nach all den Schocks, die sich mit Rhein-Main verbinden.

von Matthias Arning

 


FRANKFURTER RUNDSCHAU 06.10.2009
EIN ORT DES PROBIERENS
Die Avantgarde zieht in die Schmidtstraße

Die Avantgarde hat in Frankfurt wieder ihren Platz gefunden. Im Labor der Moderne, das Theatermacher, Tänzer und Musiker in den Hallen an der Schmidtstraße einrichten wollen. Das Projekt startete am Montag. Und Hessens Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann würdigte das Labor als „wichtiges Alleinstellungsmerkmal für den gesamten Ballungsraum Rhein-Main“. Damit könne man sich in internationaler Konkurrenz behaupten. Zunächst gehe das Labor in „eine Experimentierphase“, schwärmte die CDU-Politikerin, „das ist etwas, was es im normalen Kulturbetrieb nicht gibt.“ Darauf dürfe man gespannt sein. […] Das Signal von der Eröffnung am Montag ist für Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) eindeutig: „Hier entsteht etwas Neues“, sagte der Stadtrat. Schließlich hätten die Beteiligten „jetzt bereits das kulturelle Profil der Region geprägt“. Künftig lasse sich erwarten, dass „wir Zunkunftsweisendes erreichen“ weil es die Möglichkeit für Musiker, Tänzer und Theatermacher gebe, das Ungewohnte auszuprobieren, sich nicht an einem Spielplan festhalten zu müssen. Vielmehr biete sich in den Hallen entlang der Schmidtstraße, die früher vom Schauspiel als Außenspielstätte genutzt wurden, die Möglichkeit, etwas auszuprobieren. Jeder für sich hätte das nicht geschafft, ist der Kulturdezernent überzeugt. […] Die Beteiligten nehmen für sich in Anspruch, „im internationalen Vergleich bei der kompromisslosen Suche nach einer zeitgenössischen Ästhetik eine führende Rolle zu spielen“. In diesem Sinne könnte man im Labor durchaus ein gutes Stück weiter kommen, das „ein wichtiger Schritt für die Stärkung der zeitgenössischen darstellenden Künste mit Musik, Performance und Theater“ sein könnte. Ein Weg, auf dem das Ensemble Modern, die Forsythe Company, die Theaterakademie, die Musikhochschule und der Mousonturm unbedingt den Nachwuchs mitnehmen wollen: Für die Jungen, sagt Musikhochschul-Chef Rietschel, gebe es künftig „die Möglichkeit, viel Erfahrung in der Praxis des Probens wie des Aufführens zu sammeln“.

Matthias Arning

 

FRANKFURTER RUNDSCHAU 06.10.2009
MAßSTAB FÜR DIE SZENE WIE DIE REGION

Im Kulturfonds nimmt sich die Metropolregion gemeinsame Projekte vor

[…] Darum vor allem geht es: Um die Behauptung einer für ihre wirtschaftliche Stärke bekannten Region in der Mitte Europas. […] Für eine Markierung reicht wirtschaftliche Potenz allein nicht. In der Perspektive des Kulturfonds geht es dann auch darum, Projekte von weit über den Ballungsraum reichender Bedeutung hinaus zu schaffen. […] Bei der Entscheidung für das Labor der Moderne hätten Stadt und Region gemeinsam mit dem Kulturfonds ein solches Tempo vorgelegt, dass er „auf die Kommune wie die gesamte Region stolz sei“, sagt Dieter Buroch am Montag bei der Präsentation des Labors der Moderne. Damit, setzt der Leiter des Künstlerhauses Mousonturm hinzu, „ist Frankfurt wieder dabei, eine Avantgarde-Szene auszubilden.“

ing

 


FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG RM 04.05.2010
MIT W-LAN UND ELAN
Tag der offenen Tür in den Hallen des neuen Frankfurt LAB

[…] Beim Tag der offenen Tür konnte sich jetzt jeder in der ehemaligen Außenspielstätte des Schauspiels Frankfurt umsehen, die nun fünf Partnern als Ort, quasi „Labor“ für künstlerische Experimente dient. „Raum und Zeit“ war das Motto des Nachmittags, und drum soll es auch mindestens bis Mitte des Jahres 2013 gehen – so lange ist das Projekt zunächst gesichert: neue Räume und viel Zeit für zeitgenössische darstellende Kunst, für Avantgarde und Produktion, die an anderer Stelle nicht gewagt werden. Dazu haben sich das Ensemble Modern, der Mousonturm, die Forsythe-Company, die Hessische Theaterakademie und die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt zusammengetan. Und was sie am Samstag aus ihrem Programm zeigten, konnte sich sehen lassen.  In den beiden Hallen, die zusammen fast 1000 Quadratmeter Fläche haben, waren Installationen, Videokunst, Tanz- und Musikdarbietungen zu sehen, es gab Diskussionsrunden, im Café Künstlergespräche und großartigen Apfelkuchen als Stärkung zwischen zwei Rundgängen. […]

Friederike Haupt

Oktober 2014
M
D
M
D
F
S
S
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
November 2014
M
D
M
D
F
S
S
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
2021
22
23
24
25
26
27
282930
Dezember 2014
>
M
D
M
D
F
S
S
1
2
3
4
5
6
7
8
910111213
14
15
16
1718
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31