Masse – Volk – Multitude
Foto: à jour-Veranstaltungsgraphik

Masse – Volk – Multitude

19.01.2011

Überlegungen zur Quelle demokratischer Legitimität
Vortrag von Juliane Rebentisch in der Zentralbibliothek

Im Gegensatz zur Aristokratie, der Herrschaft der Besten oder der auserwählten Wenigen, lässt sich die Demokratie, die Herrschaft des Volkes, als die Herrschaft der Vielen verstehen. Demokratie bedeutet, wie eine einflussreiche Traditionslinie politischer Philosophie deshalb übersetzt, Herrschaft der Masse. Gemeinhin bedeutet diese Formulierung jedoch nichts Gutes. Denn, so der Vorbehalt, während die Demokratie auf Selb-ständigkeit, Ich-Stärke und Urteilsfähigkeit der unzähligen Einzelnen baut, etabliert sie faktisch Mechanismen, die diese Bedingungen untergraben. In der Masse nämlich gehen Individualität und vernünftiges Urteil unter. Die Demokratie verliert so ihre Basis und verkehrt die Freiheit, die sie etablieren wollte, tendenziell in ihr Gegenteil. Der Vortrag wird sich der demokratieskeptischen Kritik der Masse ebenso zuwenden wie der Hoffnung auf eine Gestalt der Demokratie, die das Problem der uniformen Masse in  der und durch die Herrschaft einer vielgestaltigen Menge, einer wahren Multitide, überwunden hätte.

Juliane Rebentisch lehrt Philosophie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main und ist Mitglied des Exzellenzclusters "Die Herausbildung normativer Ordnungen". Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Ästhetik, Ethik und politische Philosophie. Juliane Rebentisch ist Autorin von "Ästhetik der Installation." Frankfurt a.M., Suhrkamp 2003; eben erschienen ist der von ihr und Christoph Menke herausgegebene Band "Kreation und Depression. Freiheit im gegenwärtigen Kapitalismus." Berlin, Kadmos 2010.

19.01.2011 / 19:30 ZENTRALBIBLIOTHEK, HASENGASSE 4, 60311 FRANKFURT AM MAIN

EINTRITT FREI
à jour – Vortragsreihe zu den Frankfurter Positionen
Die gesellschaftstheoretischen Dimensionen des Themas Gemeinsam im Niemandsland – Über die Zukunft sozialen Handelns sind auch Gegenstand der Vortragsreihe »à jour«, die das Institut für Sozialforschung (IfS) und die BHF-BANK-Stiftung im Juni 2010 zur inhaltlichen Vorbereitung der Frankfurter Positionen 2011 gestartet haben.
Auf die mit prominenten Referenten besetzte Reihe folgt Anfang 2011 während der Frankfurter Positionen ein mehrtägiges Symposium, das sich an die breite Öffentlichkeit richtet.

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